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Willkommen

STRUBE FANDEL RECHTSANWÄLTE begrüßen Sie auf ihrer Internetseite. Unsere Düsseldorfer Kanzlei liegt in der Berliner Allee 57 in 40212 Düsseldorf-Innenstadt. Unsere Kölner Niederlassung finden Sie am Kaiser-Wilhelm-Ring 14-16 in 50672 Köln-Innenstadt. Nehmen Sie mit einer Email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Kontakt zu uns auf. Lernen Sie die Arbeit unserer Kanzlei kennen. Wir konzentrieren uns auf

  • Arbeitsrecht
  • Bankrecht
  • Datenschutzrecht
  • Kapitalanlagerecht
  • Verbraucherschutz

„Falsch beraten werden besonders häufig ältere Menschen, sagt Hartmut Strube von der Verbraucherzentrale. Als Berater bei der Verbraucherzentrale NRW und Fachanwalt für Kapitalmarktrecht sind Sie sehr nah an geschädigten Kunden von Banken und Finanzinstituten.“

Frage: Wie würden Sie die Stimmung beschreiben?

Strube: Es herrscht bei den Anlegern Entsetzen und Wut darüber, dass teilweise jahrzehntelanges Vertrauen ausgenutzt wurde, um Kunden nicht gewollte Risikoanlagen unterzuschieben. Viele Kunden haben erkannt, dass es bei den Banken und anderen Geldinstituten oft gar nicht um Beratung ging, sondern um bloßes Verkaufen, um interne Provisionsziele zu erreichen. Teilweise wurden die Kunden ja im Dreimonatsrhythmus bei den Banken einbestellt, um sinnlos das Depot umzuschichten. Nicht wenige Kunden wenden sich enttäuscht von den betroffenen Banken ab. Auch wird verstärkt nach bankunabhängiger Beratung gesucht.

Frage: Sie haben im Internet eine Fallsammlung falsch beratener Verbraucher ins Leben gerufen. Wie viele Eintragungen gibt es bereits? Welche Schlüsse lassen sich aus den dort geschilderten Vorgängen bisher ziehen?

Strube: Bei uns haben inzwischen weit über tausend Verbraucher ihre Erfahrungen dokumentiert. Auffällig ist, wie viele der Betroffenen hochbetagt sind. Hier haben die Banken teilweise Lebensersparnisse von über Achtzigjährigen auf eine Zertifikatkarte Lehman Brothers gesetzt. Wir filtern derzeit die Fälle einer Bank aus, bei denen nach unserer Meinung auch strafbares Verhalten in- frage kommt. Auffällig oft wurden Risikopapiere angeblich „auf Kundenwunsch“ geordert. Die Kunden schildern uns, dass sie gar nicht darüber informiert wurden, überhaupt Risiken z.B. mit Zertifikaten einzugehen. Im Schnitt ist bei den Pleitezertifikaten von Lehman Brothers ein Schaden von 20 000,00 Euro eingetreten.

Frage: Wie sind die Chancen der Betroffenen, doch noch an ihr Geld zu kommen?

Strube: Jeder muss sich selber durchkämpfen, denn jeder Fall ist etwas anders gelagert. Sammelklagen gibt es deshalb nicht. Derzeit wimmeln die betroffenen Institute Schadenersatzansprüche weitgehend mit Formschreiben ab. Die zynische Kalkulation: Resignieren von 10 000 Beschwerdeführern dann schon 9000 aus Angst vor einem Prozess, erspart sich die Bank 180 Millionen Euro Schadenersatz. Hier wird zum zweiten Mal versucht, das Alter der Betroffenen auszunutzen, indem die Bank darauf vertraut, dass mit höherem Alter die Streitbereitschaft sinkt. Erfolgsaussicht für Klagen besteht dann, wenn beispielsweise vor einem Zertifikatekauf keine oder wenig Wertpapiererfahrung bestand, die Bank weder das Produkt noch die Risiken erklärt hat oder im März 2008 oder später noch Zertifikate der damals bereits heftig wackelnden Investmentbank Lehman Brothers empfohlen hat.

Frage: Können Sie einen kurzen Überblick über die wichtigsten Betroffenengruppen geben? Gibt es „Klassiker“ falscher Beratung?

Strube: Der Rentner wird in die Bank bestellt, weil eine Festgeldanlage ausgelaufen ist. Ihm wird ein Zertifikat einer amerikanischen Investmentbank empfohlen, jedoch nicht erklärt, dass es sich dabei um etwas komplett anderes als Festgeld handelt. Mich erschreckt, in welcher Häufigkeit Kunden in der Bank zu immer neuen Umschichtungen bestellt wurden. Papiere mit einem von der Bank angegebenen Anlagehorizont von fünf bis sieben Jahren wurden teiweise nach sechs Monaten bereits wieder verkauft. Eigentlich logisch, denn die Bank verdient bekanntlich am An- und Verkauf gleichermaßen.

Frage: Welcher Fall hat Sie besonders berührt?

Strube: Eine große deutsche Bank hat einem Analpabeten empfohlen, Geld in ein Zertifikat zu stecken, und vorgespiegelt, es handele sich um so etwas wie ein Sparguthaben. Eine andere unterfüttert ein großes Depot mit 60 Prozent Zertifikatanteil und dem Hinweis, dies sei die Sicherheitsbasis der Anlage! Eine andere verkauft einem Rentner, der sich als konservativer Anleger einschätzt, ausweislich der „Finanzplanung“ für seine Kleinersparnisse ein Zertifikat „auf ausdrücklichen Kundenwunsch“ trotz von der Bank erkannter zu hohen Risikoklasse. Der Anleger hat diesen Kundenwunsch nie geäußert. Ein arbeitsunfähiges Unfallopfer wird von einer Bank dazu gebracht, den Großteil seiner Unfallentschädigung in ein Zertifikat zu stecken.

Frage: Vertrauen gilt als das Getriebeöl im Räderwerk der Finanzwelt. Ist der Vertrauenslust irreversibel?

Strube: Die Anleger haben ein kurzes Gedächnis und vor allem keine Alternative zu Banken und Sparkassen. Sie können ihr Geld nicht unter das Kopfkissen packen. Und wenn auf einem Festgeldkonto 20000 Euro liegen, beginnt das penetrante Telefonmarketing des Instituts, dass dieses Geld bewegen will. Derzeit läuft der enttäuschte Kunde der Bank zur Sparkasse und umgekehrt. Das ist natürlich keine Lösung.

Frage: Was müsste geschehen, um das Verhältnis zwischen Banken und Kunden wieder zu stabilisieren?

Strube: Die Finanzkompetenz der Kunden muss steigen. Vertrauen ist schön und gut, Kontrolle jedoch bei Bankern besser. Der Kunde muss die Produkte verstehen lernen und dem Bankberater auf die Finger schauen. Das geht nur durch den Ausbau provisionsunabhängiger Finanzberatung beispielsweise durch Verbraucherzentralen. Die Verbraucher müssen lernen, dass es sinnvoll ist, für diese unabhängige Beratung auch mal 100 oder 200 Euro auszugeben, wenn dadurch zehntausende Euro an Verlusten durch komplizierte Risikopapiere vermieden werden können.

Frage: Wie schätzen Sie in diesem Zusammenhang die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung ein?

Strube: Welche Maßnahmen? Konkret gehandelt wurde mit Milliarden nur zugunsten der Banken. Wenn solche Stützkandidaten dann versuchen, die geschädigten Kunden und Steuerzahler bei Falschberatung abzuwimmeln, ist dies nicht erträglich. Wenn es die Bundesregierung, wie neuerdings angekündigt, tatsächlich ernst mit der Verlängerung der Verjährungsfrist für Falschberatung und eine Dokumentationspflicht der richtigen Beratung meint, ist sie auf dem richtigen Weg und hat unsere Unterstützung.

Frage: Welche Forderungen stellen die Verbraucherschützer an die Politik?

Strube: Vor allem: Stärkung unabhängiger und flächendeckender Finanzberatung durch die und in den Verbraucherzentralen. Beweislastumkehr zugunsten des Anlegers bei Falschberatung. Dokumentation der anlegergerechten Beratung durch die Bank. Diese muss beweisen, warum es sinnvoll war, ein bestimmtes Produkt zu empfehlen. Ausweitung der Verjährung bei Falschberatung. Plakative Risikokennzeichnung von Produkten und Pflicht zur Aushändigung von schriftlichen Informationen rechtzeitig vor der Anlageentscheidung. Verbraucherbildung für mehr Finanzkompetenz in die Lehrpläne.

Frage: Haben Sie das Gefühl, dass die Banken und Geldinstitute dazugelernt haben?

Strube: Nein. Sie spielen sich ja als Opfer nicht vorhersehbarer Marktentwicklungen auf, die sie mit ihrer Gier nach noch höheren Renditen erst verursacht haben. Solange wir einen provisionsgetriebenen Verkauf von Anlageprodukten haben, wird sich für Kunden nichts ändern. Wer als Bankberater vor allem die Provision im Blick haben muss, kann sich letztlich nicht um die Interessen des Kunden kümmern.

aus: Neue Osnabrücker Zeitung

Autorin: Waltraud Messmann, Düsseldorf

http://www.neue-oz.de/
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